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Mobile Kantenanleimmaschinen

Mobile Kantenanleimgeräte werden oft als flexible Einstiegsmaschinen für das Bekanten von Plattenmaterialien genutzt.

24.03.2021
Kantenanleimmaschine
Stefan Böning
24.03.2021
© Mafell

Mobile Kantenanleimmaschinen sind hilfreiche, flexible und vielseitige Problemlöser.

Häufig sind mobile Kantenanleimgeräte in Kleinbetrieben für das Anbringen von Umleimern für Plattenmaterialien jeglicher Art im Einsatz. Auch dann, wenn mobil auf der Baustelle, beim Aufbau von Messeständen und Ladeneinrichtungen eine Kante nach einem Passschnitt aufgeleimt werden muss, lassen sich diese Geräte sehr gut als Problemlöser einsetzen. Beim Umleimen von Formteilen wie Werkstücken mit Schweifungen, Rundungen oder kreisrunden Tischplatten können diese Geräte ihre mobilen Vorteile ausspielen und sind praktisch unver­zichtbar.

Plattenwerkstoffe werden in unterschiedlichsten Ausführungen im Möbelbau eingesetzt und können mit den verschiedensten Materialien bekantet werden (siehe Artikel „Bunte Vielfalt“) Je nach Anspruch kommen dafür die unterschiedlichsten Leim- und Klebstoffsysteme zum Einsatz. Welche Kantenmaterialien können in welchen Materialstärken mit den mobilen Geräten verarbeitet werden? Welche Klebstoffsysteme können zum Einsatz kommen? Wie praxistauglich sind die Maschinen? Gibt es einen Mehrwert oder Zusatznutzen? Alles Fragen, mit denen sich das Tischler Journal in diesem zweiten Artikel der Kantenserie auseinandergesetzt hat.

Preiswerter Einstieg bei mobilen Kantenanleimgeräten

Der preiswerte Einstieg in das mobile Bekanten gelingt mit dem KAM50M der Firma Holzmann. Dieses Produkt ist für mit Schmelzkleber beschichtetes Furnier oder Kunstoffkanten geeignet. Mit einem Gewicht von drei Kilogramm ist es das leichteste Gerät im Angebot. Es besteht aus einem Heißluftföhn in Kombination mit einer Andruckrolle, einer Abrollvorrichtung für das Kantenmaterial und einer Kappvorrichtung. Die Betriebstemperatur ist von 330 °C bis 540 °C regulierbar. Bei einer Kantenstärke von bis zu einem Millimeter ist eine Kantenbreite von bis zu 50 mm möglich. Beträgt die Kanten­dicke 2 mm, wird die maximale Anleimbreite mit 30 mm angegeben. Das Tool ist gleichermaßen für gerade als auch runde Werkstücke geeignet. Die Bearbeitungsgeschwindigkeit bestimmt der Bediener. Zum Lieferumfang gehören unter anderem ein Zweiseitenschneider und ein Endenschneider.  

Mit einem separaten Leimbecken für Schmelzklebergranulate ausgerüstet werden die mobilen Bekanter KAM55V, KAM45PRO und KAM65Pro von Holzmann und die Forka 200Ecoplus von ­Felder angeboten. So kann eine Vielzahl von Kantenmaterialien mit den entsprechend farbigen Leimen kombiniert verarbeitet werden. Auch wenn die Geräte ganz ähnlich funktionieren, sind es oft die kleinen Details, die über Dinge wie die Gebrauchstauglichkeit entscheiden. 

KAM 50 von Holzmann

Mit dem KAM50 gelingt der preiswerte Einstieg in das mobile Kantenanleimen. 

Mit dem KAM50 gelingt der preiswerte Einstieg in das mobile Kantenanleimen. 

© Holzmann

Kennwerte für die KAM-Modelle

Während die Kantenanleimmaschine KAM55V für Kantenmaterialien von 0,3 mm bis 3 mm Dicke geeignet ist, kann man mit der KAM45Pro und der KAM65Pro Kantenmaterial mit einer Dicke von 0,4 bis 3 mm verarbeiten. Die möglichen Kantenbreiten sind je nach Modell mit 10 bis 45, 55 bzw. 65 mm angegeben. Die Betriebstemperatur kann bei der KAM55V stufenlos zwischen 120 °C bis 180 °C, bei der KAM45Pro und der ­KAM65Pro zwischen 125 °C bis 200 °C eingestellt werden. Die ­KAM65Pro verfügt über einen zweiten Temperaturmodus mit einem Bereich von 80 °C bis 155 °C. 

Der Kantenvorschub kann bei der ­KAM45Pro und der KAM65Pro zwischen 2–6m/min stufenlos eingestellt werden. Der kleinste Kantenradius wird mit 25 mm angeben, bei der mittels Handvorschub betätigten KAM55V beträgt dieser 20 mm. Während letzteres Modell im Set mit Zubehör angeboten wird, kann man für den KAM65Pro optional ein Zubehörset erwerben. 

© Holzmann
Die KAM55V von Holzmann ist auch in einer Setvariante mit viel Zubehör erhältlich.
© Holzmann
Mit der KAM45PRO wird die Maschinenklasse mit einstellbarem Vorschub erreicht.

KAM65PRO von Holzmann

Die KAM65PRO ist das Flaggschiff-Modell von Holzmann.

Die KAM65PRO ist das Flaggschiff-Modell von Holzmann.
© Holzmann

Kantenanleimmaschinen bieten vielfältige Möglichkeiten

Die Kantenanleimmaschine Forka 200ECOplus von Felder wird für professionelle Anwendungen angeboten. Es lässt sich eine Vielzahl von Kantenmaterialien in Materialdicken von 0,4 bis 3 mm verarbeiten. Kantenbreiten von 10 bis 60 mm können in konvexer und konkaver Form in einem Radius von minimal 25 mm angefahren werden. Durch eine stufenlos regulierbare Schmelzklebertemperatur von 120 °C–200 °C kann man diese punktgenau justieren, ohne dass der Leim verkocht. Die Klebstoffmenge lässt sich über ein Handrad entsprechend der verwendeten Materialien einstellen. Das beschichtete Leimbecken ist einfach zu reinigen und im Handumdrehen wieder einsatzbereit. Mit einem variabel zwischen 2–6 m/min einstellbaren Vorschub lassen sich zahlreiche Bekantungsaufgaben mit der Forka 200ECOplus erledigen. Auch ein stationärer Betrieb ist möglich. 

© Felder
Mit der Forka 200 bietet Felder eine mobile Kantenanleimmaschine für professionelle Anwender an.

Klebstoffpatrone statt Granulat

Mit der Kantenanleimmaschine Conturo von Festool geht der deutsche Maschinenhersteller einen anderen Weg. Schon bei der Maschinengestaltung lässt sich auf den ersten Blick erkennen, dass sich diese Maschine von den bereits vorgestellten Kantenanleimgeräten abhebt. Anstelle von Klebstoffgranulaten setzt Festool auf Klebstoffe in Patronenform. Neben EVA-Klebstoffen in verschiedenen Farben wird auch ein System mit unterschiedlich farbigen PU-Klebern angeboten. Für die Reinigung der Maschine nach einem Einsatz von PU-Klebern ist ein Spülvorgang erforderlich. Dazu ist eine spezielle Spülpatrone erhältlich. Die Conturo verleimt Kantenmaterialien mit Stärken von 0,5–3,0 mm in Kantenbreiten von 18–65 mm. Der kleinste Innenradius beträgt 50 mm. Es stehen zwei Stufen für die Einstellung der Schmelztemperatur zur Verfügung. Diese sind ab Werk in der Stufe 1 auf 190 °C und in der Stufe 2 auf 200 °C voreingestellt, lassen sich jedoch wahlweise in einem Bereich von 100–200 °C anpassen. Über die Farbgebung des Displays wird der Anwender über den Betriebszustand beim Aufheizen informiert. Die Farbe Grün signalisiert, dass die Maschine startbereit ist. Außerdem erhält man über diese Anzeige Informationen über die Restkantenlänge, die Temperatur und die Vorschubgeschwindigkeit. Hier kann man zwischen zwei Geschwindigkeiten wählen. Sie beträgt im ersten Gang 

2 m/min und 4 m/min im zweiten Gang. Für die Conturo ist ein großes Zubehörsortiment erhältlich. Neben Hilfsmitteln zum Kappen und Spezialzubehör ist auch Zubehör zum stationärem Arbeiten erhältlich. 

Conturo von Festool

Die Conturo von Festool meistert gerade, schräge und frei geformte Schmalflächen. 

Die Conturo von Festool meistert gerade, schräge und frei geformte Schmalflächen.
© Festool

Nullfuge für unterwegs

Mit dem Bekanter HIT-M bietet Mafell das erste mobile Nullfugen-Kantenanleimgerät am Markt an. Die Maschine ist in drei Ausführungen erhältlich. Die einzelnen Modelle bieten je nach Ausführung unterschiedliche technische Möglichkeiten. Hier gilt es vor einer Bestellung die gewünschten Bekantungsparameter genau einzugrenzen. Über die Heißluft-Injektionstechnik lassen sich alle am Markt erhältlichen Kanten mit entsprechender Funktionsschicht von 0,4–3 mm mobil anfahren. Dabei ist es nicht relevant, ob es sich bei der Funktionsschicht der Kantenmaterialien um eine vor- oder nachbeschichtete Funktionsschicht handelt. Kleberwechsel und die dadurch bedingten Reinigungsarbeiten sind nicht erforderlich. Das minimiert den Rüst- und Reinigungsaufwand. 

 

Freiformen und Radien zwischen 22 mm  und 10 mm, Gehrungskanten bis 55° und Kantenbreiten bis 103 mm lassen sich mit dem HIT-M be- bzw. verarbeiten. Bereits nach einigen Sekunden Aufheizzeit kann man mit dem Bekanten beginnen. Die Maschine verfügt über eine Kantenerkennung, einen automatischen Kanteneinzug und eine Stoppfunktion. Die Vorschubgeschwindigkeit ist stufenlos zwischen 1 und 5,5 m/min einstellbar. Zusätzlich zum Anschluss an eine Stromversorgung wird ein Druckluftanschluss mit 6–10 bar benötigt.

Optional ist ein Bearbeitungstisch erhältlich. Dieser lässt sich durch diverses Zubehör wie verschiedene Vakuumplatten an die unterschiedlichsten Bekantungssituationen anpassen.

Fazit

Der Markt bietet ein breites Spektrum an Maschinen für das mobile Bekanten von Plattenmaterialien. Von der preiswerten Einstiegsmaschine für schmelzkleberbeschichtete Kantenmaterialien über die weit verbreiteten EVA-Schmelzklebstoffbekanter für Schmelzklebergranulate. Sogar die Möglichkeit, mobil mit PUR-Schmelzklebstoffen oder im Nullfugenbereich zu arbeiten, ist flexibel gegeben. 

 

Tischler

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