„Wir haben Wachstum geplant“
Austria Email-Chef Martin Hagleitner im ausführlichen Interview mit der Gebäude Installation. Er spricht über den möglichen neuen Eigentümer des Eigentümers, die Pläne von Austria Email bis 2030 – und was die Regierung tun kann, um deren Umsetzung zu erleichtern.
Herr Hagleitner, der Eigentümer von Austria Email, die französische Groupe Atlantic, bekommt voraussichtlich ihrerseits einen neuen Mehrheitseigentümer: den japanischen Paloma Rheem-Konzern. Was bedeutet das für Austria Email?
Ja, ein entsprechender Vertrag wurde Ende des Jahres unterzeichnet. Nun braucht es noch die behördlichen Genehmigungen. Zu Ihrer Frage: Ich sehe die Transaktion als große Chance für uns. Wir ergänzen einander sehr gut: Paloma Rheem hat seinen Fokus bisher auf die USA und Asien und auch ein umfassendes Klima, Lüftungs- und Kühlungssortiment. Groupe Atlantic ist ein starker Player in Europa. Austria Email mit Produkten „Made in Austria“ würde damit Teil einer Gruppe, die unter den Big Four unserer Branche weltweit rangiert.
Langfristige Ausrichtung
Wie schaut es mit der Unternehmenskultur aus?
Paloma Rheem ist in vierter Generation im Besitz einer japanischen Unternehmerfamilie. Auch die Group Atlantic ist familiengeführt. Das prägt Unternehmen. Hier geht es um eine langfristige industrielle Ausrichtung – und nicht um kurzfristige Optimierung. Es gibt keine großen Überschneidungen – technologisch wie geografisch. Das Ziel ist, auf bestehende Teams, Marken und Werke zu setzen.
Bevor wir weiter über die Zukunft sprechen – wie fällt ihre Bilanz für das Geschäftsjahr 2025 aus?
In Summe können wir als Austria Email-Gruppe ein Wachstum verzeichnen – zwar deutlich über dem allgemeinen Wirtschaftswachstum – aber unter den gesteckten Zielen. Gemessen an der längsten Rezession der Nachkriegszeit und der fortschreitenden Deindustrialisierung ist das solide.
Woher kam dieses Wachstum?
Das Wachstum kam stark aus Deutschland, nachdem wir dort 2024 einen massiven Markteinbruch erlebt hatten. Auch die anderen Exportmärkte haben sich gut entwickelt. Für den österreichischen Markt war 2025 insgesamt ein Stagnationsjahr. In Summe konnten wir Umsatz und Ertrag verbessern.
Wie haben sich die einzelnen Produktbereiche entwickelt?
Das Bild ist differenziert. Bei Heizungswärmepumpen gab es laut Marktdaten 2025 einen zweistelligen Rückgang, dem konnten auch wir uns nicht entziehen. Dagegen verzeichneten wir etwa bei Brauchwasserwärmepumpen zweistellige Wachstumsraten. Auch Elektrospeicher, Pufferspeicher und Fernwärmespeicher entwickelten sich positiv.
Das führt uns zum laufenden Jahr. Was erwarten Sie sich von 2026?
Wir haben Wachstum geplant – ganz bewusst. Mehrere Faktoren sprechen dafür: Es gibt einen Sanierungsstau, viele Systeme erreichen das Ende ihrer Lebensdauer. Der Immobilienmarkt stabilisiert sich, die Investitionsbereitschaft steigt. Banken berichten von mehr Sanierungskrediten. Und Konsument*innen sind heute krisenerprobt und bewusster.
Welche Rolle spielt die Förderlandschaft?
Zwar wurden einige Fördersätze reduziert, aber es gibt Planungssicherheit. Für die nächsten fünf Jahre stehen jeweils 360 Millionen Euro bereit – auch für thermische Sanierung. Zudem fördern viele Bundesländer separat, und es gibt Kombinationsmöglichkeiten. Nur mit Förderungen allein wird die Sanierungsdynamik nicht zulegen; es braucht einen Maßnahmen-Mix und Reformen.
Bedeutet das, dass nun mehr saniert wird?
Das ist kein Selbstläufer. Neben Reformen braucht es auch gezielte Informationen. Viele denken noch immer, sie müssten zuerst das Dach oder die Fassade machen. Dabei bringen Teilsanierungen wie Heizung- und Warmwasserbereitung und Dämmung der obersten Geschossdecke schon drei Viertel der Energieeinsparung – bei nur einem Drittel der Kosten einer Gesamtsanierung.
Mit welchen Technologien unterstützen Sie Ihre Kunden? Wo setzen Sie bei Innovationen die Schwerpunkte?
In den letzten zwei bis drei Jahren haben wir – neben den Wärmepumpen – auch bei Elektrospeichern die Weiterentwicklung forciert: Speicher mit spezieller PV-Einbindung, smarte Funktionen zur Integration ins Energiemanagement oder zur Nutzung günstiger Stromtarife. Manche lassen sich auch ins Lastmanagement einbinden. Gerade angesichts fehlender Netz- und Speicherinfrastruktur in Europa ist das ein zentrales Thema.
Sie sprechen gerne von „grünen Batterien“. Was meinen Sie damit?
Strombetriebene Produkte, die im Wohnbereich installiert sind – und größere Warmwasserspeicher – können durch gezielte Steuerung als Puffer wirken. Wenn Energieversorger Überschüsse haben, nehmen diese Speicher Strom auf. In Spitzenzeiten entlasten sie das Netz. So tragen sie zur Netzstabilität bei und senken gleichzeitig die Betriebskosten.
Sie wollen in diesem Jahr wachsen. Wie schaut es mittelfristig aus. Welche Ziele haben Sie für Austria Email bis 2030 und wie wollen Sie diese erreichen?
Wir wollen unsere Marktanteile ausbauen – insbesondere dort, wo wir bereits stark sind. Wir vertiefen unsere Systemkompetenz, besonders für den mehrgeschossigen Bereich. Und wir bauen den After-Sales-Service weiter aus. Kundenbindung über den gesamten Lebenszyklus ist ein zentraler Hebel.
Damit Sie wachsen können, müssen natürlich auch die Rahmenbedingungen stimmen. Sie gelten als profunder Kenner des Marktes, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Was erwarten Sie von der Politik?
Zur Erhöhung der Sanierungsrate und Dekarbonisierung der Gebäude braucht es einen Masterplan und flankierende Reformen. Für produzierende Betriebe ist die neue Industriestrategie der Regierung zumindest ein Anfang, aber sie muss nun auch umgesetzt werden. Wir brauchen klare Zeitachsen, Entlastung und steuerliche Anreize, sowie überfällige strukturelle Reformen.
Welche Rolle spielt der Bürokratieabbau?
Eine große. Nicht nur national, sondern auch auf EU-Ebene. Der administrative Aufwand für KMUs ist enorm. Neue Nachweispflichten treffen oft die Falschen und blockieren Ressourcen, die im Kerngeschäft fehlen; die sinkende Konkurrenzfähigkeit wird weiter geschwächt. Klare Regeln wie „one in, two out“ wären sinnvoll. Damit ist gemeint: Für jede neue Verordnung oder Gesetz werden zwei bestehende abgeschafft.
In ihrer Industriestrategie hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, dass Österreich bis 2035 zu den zehn attraktivsten Wirtschaftsstandorten in der OECD gehören soll. Wie zuversichtlich sind Sie, dass das klappt?
Ich halte das für möglich. Aber eines ist klar: Wenn wir das bis 2035 schaffen wollen, müssen wir heute handeln – nicht irgendwann.




